Die Wahl Rudolfs von Habsburg zum König
30. September 1273
Mathias von Neuenburg, ein Chronist des 14. Jahrhunderts (+ vor 1370) berichtet in seiner Chronik von der Wahl Rudolfs:
Der Erzbischof [von Mainz, Werner von Eppenstein] berief, nachdem er mit Glück und gutem Erfolg seine Stellung behauptet hatte, die Fürsten zur Erwählung eines Fürsten in die Stadt Frankfurt am Main. (...)
Als aber die Wahlfürsten versammelt waren, miteinander über die Gefahren der Thronerledigung und den Verlust aller fürstlichen Rechte klagten und sich über die Person eines zu wählenden Fürsten besprachen, rühmte der Mainzer [Erzbischof] den Mut und die Klugheit des Grafen Rudolf von Habsburg, und da viele mächtige Fürsten genannt waren, sagte er, Klugheit und Tapferkeit gingen über Macht und Reichtum, und stimmte für Rudolf. Er brachte auch den Erzbischof von Köln und den von Trier dazu. Der Herzog von Bayern aber, der seine edle Gemahlin, eine Tochter des Herzogs von Brabant und einer holländischen Mutter, wegen des ungerechten Verdachts eines Ehebruchs hatte enthaupten lassen, Vater des nachmaligen Fürsten Ludwig IV., nachm den Burggrafen von Nürnberg, welcher zugegen war, einen Neffen Rudolfs, bei Seite und sagte zu ihm: Welche Sicherheit habe ich, wenn Rudolf erwählt wird, vor seiner Verfolgung? Hat er eine Tochter, die er mir zur Gemahlin geben würde? Als nun jener versicherte, daß Rudolf sechs Töchter hätte, und dafür, daß ihm eine von diesen würde gegeben werden, mit Einsetzung aller seiner Besitzungen sich verbürgte, stimmte der Herzog dem Mainzer bei. Da dies der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg hörten, welche auch beide keine Frauen hatten, stimmten sie gleichfalls bei, nachdem ihnen Sicherheit gegeben war, daß sie Töchter Rudolfs zu Gemahlinnen erhalten würden. Und so wurde er einstimmig erwählt im Jahre des Herrn 1273 am 30. September.
Der Burggraf nahm die schriftlichen Erklärungen der Fürsten über die vollzogene Wahl in Empfang, eilte mit diesem Aktenstück nach Basel und kam mitten in der Nacht beim Heer Rudolfs an. Als er Rudolf ankündigte, daß er zum König erwählt wäre, glaubte dieser, man wolle ihm zum besten haben, und wurde unwillig über den Burggrafen. Dieser aber sagte: Das sei ferne, daß ich euch, den mächtigsten aller Herren, zum besten hätte! und erzählte ihm den ganzen Hergang der Wahlhandlung. Da der König hörte, daß seine Töchter mit so vornehmen Fürsten vermählt werden sollten, freute er sich mit Recht seines Glücks (...).
Aus: Lesebuch zur deutschen Geschichte. Herausgegeben und bearbeitet von Bernhard Pollmann. Dortmund 1989, S. 317 - 318.