Politik


Ungarns erster König ein Heiliger
Nur 45 Jahre nach seinem Tod wird Stephan, der erste König Ungarns, 1083 heiliggesprochen. Zu Lebzeiten gründete er zehn Bischofssitze und die beiden Erzbistümer Esztergom und Kalosca. Papst Sylvester II. hatte ihm die Krone mit dem schiefen Kreuz geschenkt. Sie wird zum Symbol der Einheit des Landes.
Sklaven-Sohn erobert Indien
Der türkische Sultan Mahmud, Sohn eines ehemaligen Sklaven, fält 1014 mit seinem Heer in Indien ein, unterwirft den Punjab, besiegt mächige Radschas und dringt bei seinen insgesamt drei Feldzügen bis zum Indischen Ozean vor. An seinem Hof in Ghazna fördert er Wissenschaft und Kunst.
Normanne zu Englands König gekrönt
Wilhelm der Eroberer, Herzog der Normandie, besiegt das englische Heer 1066 in der Schlacht von Hastings und läßt sich im Westminster zum König von England krönen. Die Normannen überziehen die Insel mit einem straffen Verwaltungssystem, mit Kirchen und Burgen, Angelsächsisch und Französisch sind gleichberechtigte Sprachen.
Spanier wollen Spanien zurück
Auf der iberischen Halbinsel regt sich Widerstand gegen die Herrschaft des Kalifen. Aus den Randgebieten im Norden dringen christliche Heere immer erfolgreicher gegen maurische Truppen vor, die Königreiche Navarra, Kastilien und Aragon entstehen. Alfons IV. läßt sich zum ersten Imperator krönen und wählt 1085 Toledo zur Hauptstadt.


Wirtschaft


Handels-Boom in Palermo
Händler und Geschäftsleute in Palermo melden außergewöhnlich gute Umsätze. Die Wirtschaft der sizilianischen Stadt profitiert vom Handel zwischen dem christlichen Europa und dem muslimischen Nordafrika. Sie zählt zu den reichsten Städten. Mit dem Einfall der Normannen 1060 erlischt das Geschäftsleben.


Kultur


Speyer baut Gottesburg
Weit wuchtiger als die reich verzierten Gotteshäuser in Byzanz entsteht in Speyer ein Dom im neuen Baustil der Romanik. Im Inneren ist die bislang übliche Holzdecke abgelöst durch ein hohes Kreuzgewölbe. Die 1061 eingeweihte Kirche soll Grablege der salischen Kaiser werden.
Bücher mit Ton gedruckt
Der chinesische Alchimist Pi Cheng stellt 1040 aus gebranntem Ton einzelne Lettern her, die nach dem Druck erneut verwendet werden können. Die Vervielfältigung von Schriften wird damit erheblich erleichtert. Chinesen nutzen bereits seit fast 200 Jahren zugeschnittene Holzblöcke für den Buchdruck. Kurz vor der Jahrtausendwende, im Jahr 983, druckten sie mit diesem Verfahren das Tripitaka, die Heilige Schrift der Buddhisten. Dazu wurden 130000 Holzblöcke benötigt.
Buntes Fenster für Augsburger Dom
Dombau-Künstler haben ein neues Material für ihre Arbeit entdeckt. Zum Schmuck des Augsburger Doms haben sie 1090 erstmals bunte Glasscherben zu einem Fenster-Mosaik zusammengefügt und durch Bleistreben miteinander verbunden. Die fünf Glasfenster zeigen biblische Gestalten.


Wissenschaft


Eisennadel weist den Weg
Chinesische Tüftler entdecken im Jahr 1090, daß eine im Wasser schwimmende Metallnadel stets in dieselbe Richtung zeigt. Der Metallkompaß ermöglicht erstmals, auf hoher See zu navigieren. Seit dem 8. Jahrhundert ist ein Instrument bekannt, das Sextant genannt wird und mit dem sich das Ziel über die Berechnung der Himmelskörper ansteuern läßt.
Neuer Stern an Chinas Himmel
In China taucht 1054 ein neuer Stern auf. Die Supra Nova strahlt drei Wochen so hell am Himmel, daß sie auch bei Tage beobachtet werden kann. Europäische Astronomen können den Stern nicht wahrnehmen.


Aus aller Welt


Erde bricht auf
Im Südwesten Amerikas reißt 1064 eine mehrere Kilometer lange Erdspalte auf. Ein breiter Lavastrom ergießt sich über das Land, Millionen Tonnen von schwarzem und schwarzrotem Ergußgestein werden über eine Fläche von der Größe des Saarlandes geschleudert und begraben Siedlungen der Sinagua-Indianer unter sich. Die Eruptionen hatten sich jedoch so rechtzeitig angekündigt, daß die Bewohner flüchten konnten.
Verwirrung mit dem Datum
Die Sylvesternacht als letzter und Neujahr als erster Tag eines vermeintlich neuen Jahrtausends ist am 1. Januar 1000 nur wenigen der 500 Millionen Erdenbewohnern bewußt: Die rund 30 Millionen Christen orientieren sich am katholischen Kalender. Für die Muslime ist der Jahrtausendbeginn das Jahr 379, für die Juden 1312 und für die Buddhisten 1544. Das oströmische Konstantinopel, zu dem selbst Süditalien zählte, schreibt nach dem orthodoxen Kalender das Jahr 6509.