Das Rosenwunder auf der Wartburg


Naumburg - Im Dom zu Naumburg werden 1260 endlich die lange angekündigten zwölf Stifterfiguren aufgestellt. Besonders bewundert wird die überlebensgroße Statue der Markgräfin Uta, Ehefrau von Ekkehard II. und vor 200 Jahren sehr jung verstorben. Ihr Mann, dessen Figur links neben ihr steht, liebte sie so sehr, daß er nicht mehr heiratete und sein Vermögen dem Dom zu Naumburg stiftete.

Die Steinfigur ist ein Meisterwerk der gotischen Plastik, bewegender noch als der einige Jahre früher geschaffene Bamberger Reiter. Kühl und unnahbar, stolz und würdig blickt die hohe Dame mit dem hochgeschlagenen Mantelkragen über die Kirchenbesucher hinweg.

Die Dichter haben ein neues Frauenbild geschaffen, die Sänger hofieren die Frau als Gebieterin. Der Alltag ist weniger lyrisch: Die Frauen stehen unter der Vormundschaft, damit aber auch unter dem Schutz des Mannes. Doch viele von ihnen, besonders die Damen aus adeligem Stand, müssen des Gemahls Pflichten übernehmen, wenn dieser zum Kreuzzug ins Morgenland aufbricht. Die Zahl der Kreuzzugswitwen ist beachtlich. Oft sind deshalb edle Frauen oder Königinnen gezwungen, an Mannes Statt zu regieren.


Eine wundersame Geschichte erzählt man sich aus dem Thüringischen: Gräfin Elisabeth schmuggelt immer wieder Lebensmittel aus der Wartburg und verteilt sie an die Armen. Selbst Aussätzige pflegt sie. Ihr Mann verbietet ihr die milden Taten, überrascht sie eines Tages aber dennoch mit einem Korb am Arm. Nach dem Inhalt gefragt, antwortet sie: "Rosen." Der Mißtrauische schlägt das Tuch zurück - der Korb ist voller Rosen, obwohl sie Brot hineingelegt hatte. Nach dem Tod des Landgrafen wird sie von der Wartburg vertrieben und kümmert sich, inzwischen völlig verarmt, in Marburg um Kranke.

Elisabeth stirbt 1231 mit erst 24 Jahren und wird bereits vier Jahre später heiliggesprochen.


Sibylle Ahlers