Ein verderbenbringender und verdammter Mensch
Der zeitgenössische italienische Minorit und Chronist Salimbene da Parma charakterisiert in seiner ab 1282 verfaßten Chronik Friedrich II.
Friedrich war ein verderbenbringender und verdammter Mensch, ein Schismatiker, Ketzer und Epikureer, der den ganzen Erdkreis verdarb und in den Städten Italiens den Samen der Uneinigkeit und Zwietracht sähte.
Friedrich liebte es immer, Streit mit der Kirche zu haben, und bekämpfte sie, die ihn genährt, verteidigt und erhoben hatte, vielfach. Glauben an Gott war ihm fremd. Er war ein verschlagener Mensch, hinterlistig, habgierig, ausschweifend, boshaft, jähzornig. Bisweilen war er auch ein tatkräftiger Mann und wenn er seine guten Eigenschaften und seine Höflichkeit zeigen wollte, war er freundlich, angenehm, ergötzlich, eifrig. Er wußte zu lesen, zu schreiben und zu singen, Gesänge und Weisen zu erfinden. Er war ein schöner, wohlgebauter Mann, wenn auch nur von mittlerem Wuchs. Ich habe ihn ja gesehen und einst geliebt. Denn er schrieb um meinetwillen dem Bruder Elias, dem Generalminister der Minoriten, er möge mich ihm zuliebe meinem Vater zurückgeben. Ebenso verstand er, in verschiedenen Sprachen zu reden. Und um mich kurz zu fassen: Wenn er ein guter Christ gewesen wäre, Gott, die Kirche und seine Seele geliebt hätte - es wären unter den Weltlichen im Reiche weniger Seinesgleichen gewesen. Aber er hatte alle seine Vorzüge dadurch zunichte gemacht, daß er die Kirche Gottes verfolgte. Daher wurde er des Kaisertums entsetzt und starb eines schlimmen Todes.
Aus: Lesebuch zur deutschen Geschichte. Herausgegeben und bearbeitet von Bernhard Pollmann. Dortmund 1989.