Friedrich Barbarossa (1152-1190)
Rahewin, Forts. der "Taten Friedrichs" von Bischof Otto von Freising, IV, 86. Übers. von Horst Kohl, Guggenbühl-Weiss, a. a. 0., S. 131.
Der erhabene Kaiser Friedrich ist an Sitten und Gestalt ein Mann, der wert ist, daß auch die ihn kennen, welche ihn weniger im vertraulichen Verkehr sehen. So hat Gott der Herr, und die Vernunft der Natur im Verein mit ihm, die Mitgift völligen Glücks auf seine Person gehäuft ... Seine Sitten sind derart, daß nichts, nicht einmal die Mißgunst derer, die ihn um die Herrschaft beneiden, ihr Lob schmälern kann. Sein Körper ist schön gebaut; von Statur ist er etwas kürzer als die Längsten, schlanker und größer als die Mittelgroßen. Sein Haar ist blond, an der Höhe der Stirn ein wenig gekräuselt. Die Ohren werden von dem darauffallenden Haare kaum bedeckt, da der Barbier um der Würde des Reiches willen die Haupthaare und den Lockenbart durch unablässiges Verschneiden kürzt. Seine Augen sind scharf und durchdringend, die Nase ist schön, der Bart rötlich, die Lippen sind fein und nicht durch breite Mundwinkel erweitert; sein ganzes Gesicht ist fröhlich und heiter. Die schön geordneten Zähne sind schneeweiß. Die Haut seines nicht fetten, aber kräftigen Halses und Nackens ist milchweiß und manchmal mit einer der Jugend eigenen Röte übergossen; diese Färbung ruft bei ihm häufig nicht der Zorn, sondern die Schamhaftigkeit hervor. Die Schultern ragen ein wenig hervor; in den kurzen Weichen liegt Kraft. Die Schenkel ruhen auf schwellenden Waden, sind ansehnlich und voll männlicher Kraft. Sein Schritt ist fest und gleichmäßig, seine Stimme hell und die ganze Haltung des Körpers männlich. Durch diese Körpergestalt gewinnt er sowohl im Stehen wie auch im Sitzen die größte Würde und Hoheit. Er erfreut sich guter Gesundheit, nur wird er bisweilen von einem eintägigen Fieber erfaßt. Er ist ein Freund des Krieges aber nur um denFrieden durch ihn zu erlangen. Er selbst ist tapfer mit der Hand sehr starkt an Rat, den Bittenden zugänglich, milde den zu Gnade Angenommenen. Forschest du nach seinem täglichen Tun außer dem Hause, so wisse: er besucht entweder allein oder mit sehr geringem Gefolge die Frühmetten der der Basiliken und die Versammlungen seiner Priester und ehrt diese mit so großer Emsigkeit, daß er allen Italienern ein Vorbild und Beispiel gibt wie Ehre und Ehrfurcht gegen Bischöfe und Geistliche zu wahren ist. Dem Gottesdienst erweist er so große Verehrung, daß er jede Stunde, in der man vor Gott selbst Psalmen singt, mit entsprechendem Schweigen ehrt und niemand es wagt, ihn während dieser Zeit wegen eines Geschäftes zu stören... wenn er der Jagd obliegt, so steht er keinem darin nach, Rosse und Hunde, Falken und andere derartige Vögel abzurichten, zu beurteilen und zu verwenden, Auf der Pirsch spannt er selbst den Bogen, nimmt die Pfeile, legt sie auf und schießt ab. Bestimme selbst, was er treffen soll; was dur bestimmt hast, trifft er.
Beim Mahle ist der Brauch also: königliche Fülle herrscht insoweit, daß weder die
Mäßigkeit über Völlerei noch der Hunger über Kargheit klagen kann. Beim Spiele legt er die königliche Strenge ein wenig ab und benimmt sich so, daß seine Herablassung nicht bedrohlich, seine Strenge nicht blutgierig wirkt. Gegen seine Umgebung ist er im Gespräch nicht zornig, noch weist er sie verächtlich zurück, wenn sie ihm einen Rat geben will, noch zeigt er sich bei der Aufspürung von Vergehen verfolgungssüchtig ... (Es folgen Hinweise auf die Bautätigkeit Friedrichs, die Erneuerungen der Pfalzen und Königshöfe, vor allem Nimwegen und Ingelheim.)
Die Könige Spaniens, Englands, Frankreichs, Dänemarks, Böhmens und Ungarns kettet er, obwohl sie immer mit Argwohn auf seine Macht sahen, so sehr durch Freundschaft und Bundesgenossenschaft an sich und machte er seinem Willen so geneigt, daß sie, sooft sie an ihn Briefe oder Gesandte schickten, versichern, ihm komme die Macht des Befehlens zu, ihnen fehle es nicht am Willen zu gehorchen.
Den Kaiser Manuel (l. Komnenos, 1143-1180), der freiwillig seine Freundschaft und Bundesgenossenschaft erbat, bewog er - da jener sich wie seine Vorgänger Kaiser der Römer nannte - dazu, daß er sich nicht Kaiser von Rom, sondern Neu-Rom nannte. Und um nicht dabei allzulange zu verweilen: in der ganzen Zeit seiner Herrschaft hielt er nie etwas für besser und für erfreulicher, als daß das Römische Reich durch seine Mühe und Tätigkeit das Ansehen früherer Zeiten wieder erhalte und bewahre.